Was wir von Ronaldo über Leadership lernen können

Ronaldo Euro 2016
sportschau.de

Ich habe bereits einige Führungskurse hinter mir und unzählige Talks zum Thema Leadership gehört. Ich habe auch schon Posts zum Thema Leadership verfasst oder darüber gesprochen. Aber was mir bisher immer gefehlt hat, war ein griffiges Anschauungsbeispiel – zumal ich selbst in meiner bisherigen Tätigkeit noch keine guten Beispiele von meinen Vorgesetzten bekommen habe. Dann sitze ich letztes Wochenende vor dem TV und schaue mir das EM Finale an und bekomme mein Beispiel auf dem Silbertablett serviert. Habt ihr Christiano Ronaldo gesehen? Er, der immer unbedingt gewinnen will, muss verletzt raus. Er heult wie ein Kind, nachdem er nach 2 Versuchen, doch aufgeben muss. Wenige Minuten später steht er an der Seitenlinie und peitscht sein Team in bester Diego Simeone Manier zum Titelgewinn. Christiano Ronaldo hat mich wirklich beeindruckt, wie er seine Rolle als Leader wahrgenommen hat.

Have a vision, stick to a plan

Eines der wichtigsten Regeln für Führungsleute: Ohne eine Vision und einen Plan, wie man dahin kommt, wird man nie ein Team motivieren können ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Bei Christiano Ronaldo merkt man, dass er genau so eine Vision hat. Er will den Titel und weiss, dass er das nur mit der Mannschaft erreichen kann. Er ordnet alles dieser Vision unter. Das sieht man, wenn er in der Vorrunde nach schwachen Spielen stinksauer und bisweilen ziemlich kindisch reagiert. Und man hat es am Finalabend in seiner stärksten Ausprägung gesehen. Nach der Verletzung – als für die meisten von uns die Vision hätte in tausend Scherben zerbersten können –  akzeptiert er die neue Situation und ändert seinen persönlichen Plan. Er wird zum „Captain-Coach“. An der Vision ändert sich nichts, den Plan hat er kurzerhand adaptiert. Und damit schafft er das, was vielen Leadern nicht gelingt: Er kann das Team – auch nach einem Rückschlag – motivieren und auf das gemeinsame Zeil einschwören.

Leidenschaft und Glaubwürdigkeit

Von der Leidenschaft und Hingabe mit der er seine Vision verfolgt, können wir uns als Führungskräfte eine grosse Scheibe abschneiden. Habt ihr gesehen, wie er zuerst kämpft bis wirklich nichts mehr geht und dann bitterlich weint? Minuten später antreibt und mitgeht, als gebe es kein morgen? Und zuletzt, wie er sich freuen kann?  Kein Wunder, dass sich ein Team davon motivieren lässt. Sie sehen, dass ihr „Chef“ fest an das Ziel glaubt und sich mit Haut und Haar rein gibt, um es zu erreichen. Und sie sehen, dass er sich von Rückschlägen nicht irritieren lässt. Warum sollten sie die Köpfe hängen lassen? Warum sollten sie nicht an den Titel glauben? Leidenschaft ist ansteckend. Und das wissen gute Führungsleute und setzen es auch ein. Fragt euch selbst, welchem Leader ihr lieber folgen würdet. Der abgeklärten Task-Schleuder oder dem emotionalen Antreiber?

Diese Leidenschaft – und auch der Biss – machen Ronaldo glaubwürdig. Wenn er sagt, er wird Europameister, dann ist das keine leere Worthülse. Er lässt Taten folgen. Ein weiteres wichtiges Führungsprinzip, dass ich in der Arbeitswelt sehr oft vermisse: Leading by example! Es braucht keine explizite Autorität, wenn man glaubwürdig handelt.

Emotionen und Gefühle zulassen

In Zusammenhang mit Leidenschaft muss man auch über Emotionen reden. Ronaldos Emotionen sind echt. Manche werfen ihm vor, er sei eine „Pussy“, weil er heult und trotzt wie ein Kind. Aber das sind echte Gefühle, nicht gespielte. Genauso wie seine Freude. Anders kann ich mir nicht erklären warum die gesamte Mannschaft inklusive Gegner und deren Trainer ihn trösten, als er verletzt vom Feld muss.  Man glaubt ihm einfach seine herzzerreissende Traurigkeit in diesem Augenblick. Die meisten deuten emotionale Ausbrüche als Zeichen von Schwäche. Darum werden sie im Arbeitsumfeld wenn möglich unterdrückt. Für einen Leader ist es aber wichtig, dass man sie selbst zeigen kann und auch zulässt, dass sie jeder im Team zeigen und ausleben kann. Als Leader verliert man meiner Meinung nach an Glaubwürdigkeit, wenn man versucht Emotionen zu kontrollieren. Ich sage nicht, dass man in Extreme verfallen muss. Aber wir hier in der Schweiz sind da äusserst diszipliniert was den Emotionspegel angeht. Freudentaumel, Tränen sowie auch mal klare, heftige Worte gehören für mich zur Teamarbeit und kitten ein Team erst richtig zusammen.

Ronaldo als Schutzschild

Ein guter Leader schirmt sein Team nach aussen ab, damit sie sich – frei von politischem Geplänkel – auf ihre Mission konzentrieren können. Er steht natürlich im unternehmerischen Rampenlicht, muss aber auch alles einstecken, was in Richtung Team „geflogen“ kommt. In einem Talk über „Leadership Skills“ an der UX Lausanne hat James Chudley die Rolle – wie ich finde ziemlich treffend – als „Shitshield“ bezeichnet. Wenn man die Berichterstattung der EM verfolgt, waren alle Blicke auf Ronaldo gerichtet, wenn es um die portugiesische Mannschaft ging. Er stand in der Kritik, er kassierte Lob, er gab Auskunft, er warf das Mikro eines Jounalisten wortlos in den Fluss. Die Rolle mag seiner teilweise narzisstischen Persönlichkeit entgegenkommen. Aber ich denke er setzt es mittlerweile auch bewusst ein, um die Mannschaft vor der Presse, dem Druck und dem ganzen Rummel abzuschirmen. Die Diva als Shitshield.

Ich weiss Ronaldo ist eine streitbare Figur. Aber der Erfolg gibt ihm Recht. Und er ist meiner Meinung nach in den letzten Jahren immer stärker in eine Leaderrolle hinein gewachsen. Unter diesem Gesichtspunkt finde ich, kann man einiges von ihm lernen. Schön, wenn man von Fussballern lernen kann… 😉

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