UX Leadership: Ab an die Spitze!

Leadership
Sam Clark-Cape Epic-SPORTZPICS

High Tech Startups üben eine ganz besondere Faszination auf uns aus. Wir alle schauen bewundernd zu ihnen hoch. Grossnternehmen eröffnen Labs, um sie im Silicon Valley zu studieren. Was machen sie bloss, dass sie so erfolgreich sind? Unter anderem nutzen sie UX konsequent als strategisches Prinzip. Wir schauen immer alle gerne dahin, trauen uns aber nicht, es auch so zu machen. Warum?

UX ist eine Metadisziplin

Wenn man sich die Lebensläufe von UX Experten anschaut und mit ihnen spricht, stellt man fest, dass die meisten ihre Wurzeln im Bereich Design oder Frontend-Entwicklung haben. Allen gemeinsam ist die starke Verankerung im „Doing“, also im Projektumfeld. Schwerpunkte sind in erster Linie Informationsarchitektur, Usability und Interaction Design. So ist es über die Jahre natürlich gewachsen. In den meisten Unternehmen sind die Leute entsprechend in den Bereichen Marketing oder IT aufgehängt. Geführt von Marketing- oder IT-Managern. Das bedeutet aber, dass der Handlungsspielraum eingeschränkt ist und die startegischen Gestaltungsmöglichkeiten nicht im leicht zugänglichen Bereich liegen. Die Hebel sind verhältnismäßig klein.

Die Zeiten haben sich aber geändert und mit ihnen die Anforderungen an die Disziplin.  Das Bewusstsein, dass man sich langfristig einen entscheidenden strategischen Wettbewerbsvorteil verschafft, in dem man das gesamte Unternehmen auf die Bedürfnisse der Kunden ausrichtet, ist mittlerweile in viele Branchen durchgedrungen. Die jahrelange beharrliche Arbeit und die erzielten Erfolge der UX Teams haben sich ausgezahlt. User Experience ist ein Top-Management-Issue geworden und ist mittlerweile Bestandteil jeder Corporate-Agenda. Es geht nicht mehr um Usability oder Interface Design. Es geht um strategisches User Centered Business Development, um das Gestalten der Unternehmensstrategie, um die Steuerung des gesamten Unternehmens aus Nutzersicht. Damit wächst die Disziplin aus dem „Doing“ heraus. Von einer Micro- auf eine Metaebene.

Aufgabenbereich erweitern: UX als Motor

Auf einer solchen strategischen Metaebene ist UX gemeinsam mit Disziplinen wie Business Intelligence der Motor einer nutzerzentrierten Organisation. Aus einem vertieften und strukturierten Kundenverständnis heraus werden neue Geschäftsmodelle entwickelt und Innovationen ersonnen. Aus den Insights werden Prozesse und Massnahmen zur Optimierung der Produkte, der Services und der Touchpoints definiert. Die gesamte Kommunikation und die Vermarktung werden auf die Erkentnisse und Daten der beiden Disziplinen aufgebaut. UX stellt dabei nicht nur das Wissen um den Nutzer zu Verfügung, sondern das gesamte Methodenrepertoire, um diese Insights in tragfähige Konzepte und Lösungen zu übersetzen.

Aber noch wichtiger ist der kulturelle Aspekt. Als treibende und bereichsübergreifende Kraft, ist es an den UX Experten das nutzerzentrierte Mindset zu etablieren und eine Challenge-Kultur aufzubauen. Das sind wichtige Führungsaufgaben.

Ich sehe das im Moment gerade an meiner eigenen Rolle. Bei den Grünen ist das Thema User Experience ein strategischer Pfeiler auf dem die Unternehmensentwicklung und die Strategie basieren. Damit werden die Insights und Inputs aus dem Bereich zur Triebfeder. Business Intelligence und UX sind Treiber diverser Initiativen. Gleichzeitig wird von uns ein startegisch, unternehmerisches Denken und eine entsprechende Führungsverantwortung erwartet.

Wir brauchen den UXler 2.0

In den meisten Unternehmen wird aber diese Führungsrolle stark von „disziplinfremden“ Managern in Beschlag genommen. Mit dem Resultat, dass sich immer wieder Halbwissen als Meinung und Marschrichtung durchsetzt. Alles schon erlebt. Schön, dass ein ein Top Manager aus dem Bereich Branding & Advertising von Personas spricht und sie als strategisches Instrument positioniert. Blöd nur, wenn man den bestehenden Zielgruppensegmente einfach ein „Poster-Gesicht“ gibt und mit einem Zitat versieht. Das ist auf Buzzwords basierter Ettikettenschwindel. Und vor allem ist das nicht zu Ende gedacht. Vokabeln gelernt, aber sprechen geht dann doch nicht….

Ich denke, es ist an der Zeit, dass sich die Schwerpunkte der Disziplin UX verlagern! Und mit der Disziplin müssen wir, ihre Experten, uns weiterentwickeln und unsere Disziplin strategischer denken. Dazu müssen wir Verantwortung übernehmen und in Führungsrollen wachsen ausserhalb der UX Teams. Das bedeutet die Komfortzone – unsere Projektwelt – zu verlassen und in übergreifende Bereiche einzusteigen, um mit den UX Prinzipien die Geschicke des Unternehmens mit zu gestalten. Ich würde so weit gehen und sagen: das Ziel muss sein, in den Unternehmen UX Leute auf C-Level zu haben.

An diesem Punkt sind auch die Aus- und Weiterbildungsangebote für UX Experten neu zu betrachten. Da sind die Unis und Fachhochschulen gefordert neue und zeitgemässe Konzpete auszuarbeiten, um die UX Führungskräfte von morgen vorzubereiten.

Marike 18. April 2016 um 15:59

Vielen Dank für den Post. Eines der Kernprobleme im täglichen Leben ist, dass UXler erst an Bord geholt werden, wenn die Grundlagen für Projekte bereits gelegt sind. Bei der Entwicklung von Strategien und Roadmaps sind sie als interdisziplinäre Denker viel zu selten mit am Start.
Für mich ist es hier auch an den UXlern deutlichere Signale zu senden und selbstbewusst diese Rolle einzufordern.

    Elam 19. April 2016 um 08:47

    So ist es! Von nix kommt nix. ich denke, das ist zum Teil auch eine Frage der „Erziehung“. Im klassischen Projektumfeld gibt es klare „Kommandostrukturen“, die es zu durchbrechen gilt. Mit agilen Setups ist da schon mal eine Tür geöffnet worden. Nun müssen UXler die Chance ergreifen und wie du sagst die Rolle einfordern.

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