Let’s play and break the rules

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Neulich hatte ich die glorreiche Idee meiner Tochter einen Lego Bausatz zu schenken. Vor dem Regal im Laden war ich dann echt erschlagen von der Ausswahl, die da rumstand. Lego Flughafen, Lego Reithof, Lego Feuerwehr. Lego für Mädchen, Lego für Jungs. In einer Ecke aber stand eine Schachtel mit der grossen Aufschrift 3 in 1. Eine Berghütte aus der man 3 unterschiedliche Hütten bauen kann. Papa begeistert. Erziehungsziel „in Alternativen denken“ erfüllt.

Regeln brechen

Zuhause packt das Kind begeistert die Schachtel aus. Die Bauanleitung fliegt mit dem Packmaterial auf den Haufen für den Müll und ruck zuck entsteht aus den bunten Lego Steinen ein Stall für das Playmobil Pferd auf dem Playmobil Bauernhof. Ähhhm..so wars nicht gedacht….

Kinder entdecken neues nur in dem sie die Regeln brechen. Wen interessiert die genaue „Schritt für Schritt“- Anleitung von Lego? Wen interessiert, was der Lego Produktmanager vorgesehen hat? Das ist das Schöne am einfachen Konzept Lego: Deine Phantasie setzt die Grenzen, also gibt es keine. Aus einer Feuerwehr entsteht plötzlich ein Gehege für Hasen, aus einem Raumschiff eine Sprungschanze für Matchbox-Autos.

Neue Geschäftsmodelle erspielen

Das hat mich zum Nachdenken bewegt. Kinder sind beim spielen täglich innovativ und erschliessen sich laufend neue Welten. Es sprudelt nur so an innovativen Gedanken und Ideen. Wir aber sitzen in Gremien und diskutieren Innovation und Geschäftsmodelle zu Tode.

Wenn ich mich in meinem Umfeld umsehe und  Unternehmesentwicklern und Innovationsmangern zuhöre, staune ich immer wieder über das Vorgehen und die doch sehr konservative Sicht. Man geht hin und versucht mit ein paar hellen Köpfen aus dem Unternehmen Ideen zu generieren. Geht dabei nach bekannten Mustern und Prozessen vor und wundert sich, dass man am Ende einfach noch ein neues Produktfeature entwickelt hat. Man versucht nun krampfhaft dieses Feature als Innovation zu verkaufen. Dasselbe Phänomen ist beim Umgang mit dem Thema „Digitale Transformation“ zu beobachten. Sie wird als „Digitalisieren der bestehenden Prozesse“ verstanden und nicht als Chance das Geschäftsmodell an sich zu überdenken. Mich erinnert das ein wenig an die Musikindustrie, die unter Unternehmensentwicklung und digitaler Transformation, den Verkauf der bekannten Tonträger über Online-Shops verstanden hat. Bis Unternehmen wie Spotify und Apple den Markt aufgemischt hatten, weil sie echte Innovationen geschaffen haben und wirklich neue Geschäftsmodelle etabliert haben.

Ich frage mich dann: Warum sind wir so verdammt Prozesstreu? Warum greifen wir stets auf bewehrte Muster zurück? Warum machen wir es nicht wie Kinder? Warum spielen wir nicht?

Prozess vs. Spiel

Wenn ich mir einen bestehenden Entwicklungs- oder Innovationsprozess in meinem Umfeld anschaue, zeichnet er sich dadurch aus, dass es ein festes Ziel hat und zwischen Ist- und Zielzustand erzeugt dieser Prozess eine verlässliche Kausalkette von A nach B. Beim Spielen aber ist das Ziel unscharf. Die Schritte zum Ziel sind nicht festgelegt und das Ziel kann sich während der „Reise“ verändern. Spielen ist Experimentieren, Ausprobieren und Querdenken. Es gibt nur wenige bis gar keine Regeln. Durch die festgelegte Kausalkette ist ein Prozess und die damit verbunden Risiken relativ gut vorhersehbar, aber es setzt voraus, das die Kette nicht durch unvorhergesehene Veränderungen durchbrochen wird. Durch den explorativen und intuitiven Charakter des Spielens hingegen sind Veränderungen sogar willkommene Impulse.

Kinder kennen keine Prozesse

Wir Erwachsenen sind in unserem Handeln und Denken – vor allem in der Arbeitswelt – enorm stark auf rationale Ziele fokussiert. Prozesse geben uns Sicherheit auf einem logisch, rationalen Weg ein Ziel zu erreichen. Für Unternehmen, deren oberstes Gebot meist Risikominimierung ist, sind Prozesse das A und O. Darum halten wir uns – sogar wenn wir Innovationen oder neue Geschäftsfelder ausfindig machen wollen – an Prozessen.

Kinder hingegen sind durch Bedürfnisse, Neugier und Emphatie getrieben. Darum sind sie auch fähig über rationale Grenzen hinweg zu denken, Regeln zu ignorieren und sich dafür neue Welten zu erschliessen. Sie nutzen das „Werkzeug“ Spielen, um diese Ziele zu erreichen.

Ein wichtiger Aspekt des Spielens ist das Scheitern. Wenn Kinder im Spiel Dinge erkunden, wird man beobachten, dass sie immer und immer wieder scheitern. Das Scheitern aber ist für sie tatsächlich ein Antrieb es weiter zu probieren und noch wichtiger: einmal einen neuen Weg auszuprobieren. Ein Prozess hingegen ist eine logische Abfolge von Schritten. Ein Scheitern beendet den Prozess.

Let’s play and break the rules

Also sollten wir doch einfach mal spielen und mit bestehenden Regeln und Muster bewusst brechen. Die Impulse für unser „Innovationsspiel“ liefern uns unsere Kunden. Wenn wir ihnen zuhören und verstehen, was sie bewegt und was ihre Bedürfnisse sind, sind wir in der Lage aus unserem Glashaus auszubrechen und eine andere Perspektive auf unser Geschäft zu erlangen. In ihren Emotionen und zwischen den Zeilen ihrer Aussagen befindet sich der Schlüssel zu innovativen Lösungen und Geschäftsmodellen. Als Inspiration, wie man dann aus diesen Einsichten spielerisch zu echten Innovationen gelangt, sei hier das Buch „Gamestorming“ von Dave Gray, Sunni Brown und James Macanufo empfohlen. Viel Spass beim Spielen!

Mina 14. März 2015 um 13:24

Ein Vorgehen, welches ich mir täglich wünsche! Es braucht viel Mut und „Loslassen“, so etwas in bestehenden und etablierten Unternehmen mit ebenso etablierten Prozessen umzusetzen – einfach mal ohne Ziel einen Weg einschlagen, ohne Business Case etwas auszuprobieren – das bendingt insbesondere Bereitschaft und Vertauen „von oben“ – in den ausführenden Rängen ist meist genügend Kreativität und Gestaltungswille vorhanden, man muss sie nur zulassen 🙂

    Elam 15. März 2015 um 16:32

    Hi Mina. Ich habe je länger je mehr das Gefühl, dass es „von oben“ Mut zu vertrauen braucht. Sie würden alle gerne mehr Vertrauen schenken. Solange sie aber so dermassen Zahlen-getrieben sind, werden sie diesen Mut nicht aufbringen können. Ich denke deshalb auch immer mehr darüber nach, ob es für Grossunternehmen nicht schlauer wäre, Innovationen in autonome Spinn-Offs auszugliedern, sie unabhängig vom Kerngeschäft einfach mal machen zu lassen und die Investition einfach als Risikokapital anzuschauen

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